6.Runde: Zittern bis der Arzt kommt! Grünfeld gewinnt Heimkampf gegen Longerich 5 - 3
Was für eine Materialschlacht trug sich am letzten Sonntag im Grünfeld zu. Beide Mannschaften, heiße Anwärter auf den Aufstieg, kamen mit allem was Sie zu bieten hatten. Und das es kein leichtes war, die starken Longericher zu besiegen, wurde dann auch dem letzten Utopisten, der von einem 7:1 geträumt hatten, schnell klar. Bis zu den letzten beiden Brettern war keine eindeutige Entscheidung des Mannschaftskampfes gefallen.
Ungefähr chronologisch trug sich dieses Spektakel wie folgt zu:
Nach den ersten Eröffnungszügen konnte man bereits erahnen, dass sich unser Gegner auf uns vorbereitet hatte. Für diese Niederungen im Kölner Schachverband sicherlich ein eher ungewöhnlicher Vorgang. Aber wie sich jeder denken kann, geht es natürlich auch in der Kreisklasse um Alles! Die erste Entscheidung fiel bei Philipp. Er überraschte seinen Gegner im 4. Zug mit der klassischen Hauptvariante gegen Aljechin. Philipp hatte diese Variante noch nie gespielt hatte und das konnte man seinem wohl vorbereiteten Gegner durch dessen Unbehagen deutlich anmerken. Die ersten Züge noch sehr flüssig gespielt, kam jetzt ein erstes langes Überlegen gepaart mit einem ziemlich unzufriedenen Gesichtsausdruck. Mit dieser Variante schlecht vertraut, wählte er eine nicht ganz ausgereifte Nebenvariante, die ihm recht schnell deutlichen Eröffnungsnachteil bescherte. Nach dem Philipp den Druck auf die schwarze Stellung immer mehr erhöhte, blieb dem Longericher nichts mehr anderes Übrig, als Material zu opfern, um wenigstens ein bisschen Gegenspiel zu bekommen. Dank ordentlicher Technik war nach Rund 20 Zügen und 2 Stunden aber nichts mehr zu machen! Händchen! 1:0
Zur Verteidigung sei jedoch angemerkt, dass der Anblick seines humpelnden Gegners, selbst dem größten Feind nicht zu gönnen war. Manchmal haben Lagunenunfälle auch etwas Gutes.
Nun sollte es ein langer zäher Mannschaftskampf werden. Nur bei Rouven konnte man sehr zuversichtlich sein. Wie immer wählte er eine sehr ungewöhnliche Eröffnung gegen Französisch, die vermutlich aus seinem unerschöpflichen Vorrat aus Killerpartien von Schachgrößen stammt. Topi, Vishy, Shriov, Tschigorin! Man glaubt gar nicht, was die alles für ein Kraut aufs Brett zaubern! Sein Gegner wohl auch ziemlich überfordert mit der Eröffnung ließ sich immer mehr in die Enge drängen. Sauber drückte Rouven seinem Gegner immer mehr Nadelstiche in Form von Bauern in seine Stellung. Auch wenn es taktisch vielleicht noch etwas schneller gegangen wäre, fand Rouven dann zu guter letzt doch das entscheidende Läuferopfer auf d5. Danach war nur noch Streuselkuchen beim Gegner angesagt, und die vorgedrungenen Bauern von Rouven eliminierten die letzten übrig gebliebenen Figuren des Gegners. Eine kleine Falle noch! Ahh...Rouven hat es gesehen 2:0!
Bis zur nächsten Entscheidung war das Rheinwasser schon in Holland. An allen Brettern war nicht wirklich Vorteil zu erkennen. Klaus-Jürgen der eine etwas unglückliche Bauernstruktur aus der Eröffnung übrig behalten hatte, erspielte sich hervorragendes Gegenspiel. Ziemlich zeitgleich geschah am Brett von Mathieu, dann das erste Unglück. Mathieu, der unter anderem beim Bürgerturnier teilnimmt, hatte wieder mal eine völlig ausgeglichene Stellung erreicht. Wie beim Turnier in Müngersdorf, haben seine Partien extrem an Qualität zugenommen. Nach sehr solider Eröffnung war eher seine Stellung zu bevorzugen. Nun zeigte sich aber leider wieder, dass er noch nicht die entscheidende Erfahrung hat, diese Qualität in Punkte umzuwandeln. Ein einziger Fehler genügte um seine ganze Stellung zu ruinieren. Nach Te8 war Haus und Hof verloren. Auch bei Klaus-Jürgen stand es nicht mehr gut. Nach äußerst genauem Spiel seines Gegners, im Übrigen stärkster Longereicher, fand Klaus-Jürgen nicht mehr die konsequenten Züge um die Stellung ausgeglichen zu halten. In starker Zeitnot passierte im zusätzlich noch ein entscheidender Faupax. Nach verlorener Qualität stand es auf einmal 2:2.
Das nächste Unglück sollte sich bei unserem Jan zutragen. Wie in allen Partien bisher, erspielte er sich eine ausgezeichnete Stellung. Nach gut vorgetragener Eröffnung waren seine Bauern gegen die sizilianische Verteidigung bedrohlich vorgedrungen. Doch dann verließ ihn erneut der Mut. Sein Gegner der sich nach und nach Gegenspiel verschaffte, hemmte Jan immer mehr, die entscheidenden Angriffszüge vorzutragen. Nach zwei, drei viel zu passiven Verteidigungszügen von Jan, gelang es dem Gegner, mit einem sehr schönen Bauernopfer, Jans Königsstellung zu zerstören. Mit guter Technik schraubte er Jan die Dame vom Brett und hinterließ ihm eine völlig hoffnungslose Stellung. Auch wenn Jan noch etwas wie Don Quichote ankämpfte, war bei dem vorhanden extremen Materialvorteil des Gegners nichts mehr zu machen. Nach einem so schönen Auftakt stand es auf einmal 2:3 für unsere Gäste.
Wer jetzt gedacht hat, an den vorderen Brettern werden wir doch alles leicht Klar machen, hatte sich getäuscht. Boris stand für alle beteiligten völlig unklar, und hatte aus der Eröffnung wohl eher einen kleinen Nachteil. Bernd an Brett eins hatte lediglich den marginalen Vorteil gegen einen isolierten Damenbauern in einem langwierigen Endspiel an zu kämpfen.
Glücklicher Weise fiel die nächste Entscheidung dann bei Frank. Nach der wie immer gewohnt ruhigen Eröffnung seinerseits, war zunächst nirgendwo ein entscheidender Durchlag zu erkennen. Wie wir es aber von Ihm gewohnt sind fing er gemütlich an seinem Gegner vor immer mehr Probleme zu stellen. Nach einem schönen Aufriss im Zentrum durch f4, wurden wir alle immer zuversichtlicher. Recht schnell war klar, dass es zu einem offenen taktischen Schlagabtausch im Zentrum kommen würde. Und in solchen Stellungen genießt Frank, zumindest von mir, höchstes Vertrauen. Auch seine für Ihn äußerst ungewöhnliche Zeitnot, konnte nicht wirklich beunruhigen. Da bis zum Schluss noch mindestens 1 Minute auf der Uhr hatte war klar, dass er damit mindestens noch zwei Partien erledigen könnte. Unser langjähriges Bullettraining ist in solchen Situationen sehr beruhigend. Und wie erahnt, kam es dann auch. Im taktischen Mittelspiel, gespielt mit offenem Visier, gelang es Frank die gegnerische Stellung zu zerstören. Zunächst noch ein paar Bauern in Zeitnot abgrasend, aber dann zum finalen Mattangriff gelangt, stand es beruhigend 3:3.
Nun zu den Entscheidungen. Bernd hatte es mittlerweile geschafft seinen Gegner in eine äußerst unangenehme Stellung zu drängen. Auch wenn den meisten von uns noch nicht wirklich klar war, wie dies in einen Sieg umzuwandeln war, wirkte Bernd immer zuversichtlicher, die Partie zu gewinnen. Da es bei Boris für Außenstehende immer noch völlig unklar war, wären wohl alle kiebitzenden Grünfelder mit einer Punkteteilung an Brett 3 einverstanden gewesen. Nur Boris sah mal wieder mehr. Aufgrund der Tatsache, dass er mal wieder Ewigkeiten in die Stellung glotze, hielt er seine Stellung für gewonnen. Doch so ganz war uns der Braten noch nicht geheuer. Dann kam es Schlag auf Schlag. Das für uns als extrem unangenehm erachtete Eindringen der Türme auf der siebten Reihe entpuppte sich als schwerer Fehler des Gegners. Genüsslich verspeiste Boris eine Leichtfigur. Auch ein von Ihm unterdrücktes Grinsen, war nicht wirklich zu verheimlichen. Großes Aufatmen in unserer Runde 4:3! Da Bernd auch deutlich besser stand, und sich keiner einen Verlust in dieser Stellung vorstellen konnte war der Mannschaftskampf gewonnen, oder?
Ja, unnachahmlich zelebrierte Bernd das ihm aufgetragene Endspiel. Mit sauberster Technik zeigte er warum sein von Ihm oft vorgetragenes Endspieltraining sehr lohnenswert ist.
Auch wenn einige Außenstehende das übrig gebliebene Endspiel (König, Bauer gegen König) noch als Remis einschätzten, war unserem Altmeister klar, dass das entscheidende Tempo mit Opposition zum Sieg führt. Eine hervorragende Partie von Bernd! Ich bin mir nicht sicher ob irgendein anderer von uns dieses Endspiel so sauber zum Sieg getragen hätte.
Damit endete der mit abstand spannendste Mannschaftskampf in den Heiligen Hallen zu Grünfeld. Mit diesem Sieg sind wir wieder voll im Geschäft um den Aufstieg. Mit einer schwächeren Aufstellung hätten wir diesen Erfolg sicherlich nicht eingefahren. Ganz im Gegenteil zu den sonstigen Kölner Leistungen am Wochenende (Schlachtung des Geißbockes in Mainz) wurde hier ausgezeichneter "Sport" vorgetragen. Anhand der Partien hätte man keineswegs auf einen Mannschaftskampf der Kreisklasse schließen können. Ich erinnere mich noch allzu gut an Mannschaftskämpfe der SVM oder Oberliga, bei denen deutlich mehr gepatzt wurde. Vielen Dank auch an die Longericher, die einen äußerst spannenden und absolut fairen Sonntag mit uns verbrachten. Wir hoffen dass wir uns nächstes Jahr beide in einer höheren Spielklasse wieder sehen.
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