7. Runde: Erftstadt III - Grünfeld 0:8.- Aus dem Vollen geschöpft!
Mit einem sehr überzeugenden Auswärtssieg bei den Schachfreunden aus Erftstadt haben wir unseren Anspruch auf einen Aufstiegsplatz deutlich unterstrichen. Und in der Tat war es an sechs Brettern ein einwandfreier Start-Ziel Sieg. Nur zwei Erftstädter konnten lange Paroli bieten, aber darauf gehen wir später näher ein.
Die erste große Überraschung des Tages sprang einem bereits am Treffpunkt, 9:00 am Spiellokal ins Gesicht. Alle Grünfeldgladiatoren waren pünktlich und besonders verwunderlich absolut nüchtern zum Treffpunkt eingetroffen. Die Tatsache, dass wir bisher immer den ein oder anderen ziemlich Angeschlagenen mit an Bord hatten, beunruhigte mich ein wenig. So nüchtern und voller Tatendrang? So was geht doch am liebsten in die Hose! Doch es kam ganz anders.
Im schönen Pfarrheim angekommen sollte es schnell zu den ersten Entscheidungen kommen. Bis auf einen Mitspieler an Brett 7 waren alle Erftstädter deutlich am Brett der Gastgeber zu erkennen. Da die letzen vier Bretter unserer Gastgeber altersbedingt noch nicht ganz ausgewachsen waren, lohnte sich doch mal ein genauerer Blick von Yasser übers Brett. Doch in der Tat war dort niemand zu erkennen. Glücklicher Weise wurde der junge Sportsfreund von seinem Mannschaftsführer in angemessener Zeit zum Spielort zitiert. Aufatmen für Yasser, kampflos gewinnen ist einfach nicht unser Stil.
Die anderen Bretter waren schon einige Zeit im Gange und aufgrund der etwas unglücklichen Eröffnungsbehandlung einiger Bretter waren unsere Gastgeber bereits ziemlich unter Druck. Die erste Entscheidung fiel bei Jan. Sein Gegner hatte ziemlich wagemutig in der Eröffnung das Zentrum aufgerissen. Dies kostete Ihn einen Bauern und des Weiteren eine total zerstörte Königsstellung. Jan nutzte seine deutlich besser positionierten Leichtfiguren, häufte reichlich gegnerisches Material an um zufrieden die schnelle Aufgabe seines jungen Gegners entgegen zunehmen.
Bei Frank ging es dann auch recht schnell. Sein Gegner hatte sich äußert ungewöhnlich gegen den klassischen englischen Gerdell-Gummiaufbau positioniert. Wie auch bei Jan, konnte Frank mit viel übermacht das Zentrum aufreißen und die fatalen positionellen Schwächen der gegnerischen Stellung taktisch ausnutzen. Bei nur unter schweren Verlusten zu verhindernden Damenverlust kam die völlig korrekte Aufgabe.
Nächster Schlag: Rouven hatte es mal wieder mit der französischen Abtauschvariante zu tun. Nicht wirklich eine von Ihm geliebte Eröffnung. Dennoch konnte er auch an diesem Tag den braven Franzosen zu einer tödlichen Waffe formieren. Nach Bauerngewinn im Zentrum baute er im frühen Stadium eines Endspieles genug Druck auf um die gegnerische Stellung auseinander Fallen zu lassen. Im Endergebnis standen zwei blanke Mehrtürme und Schlussendlich ein krönendes Matt auf dem Partieformular.
Mit 3:0 in Führung und ziemlich guten Stellungen an allen verbliebenen Brettern konnte in diesem Mannschaftskampf wohl nichts mehr passieren. Der nächste Punkt kam von Yasser. Bei meinem ersten genaueren Blick auf die Stellung konnte ich schon zahlreiche Mehrbauern auf Yassers Seite erkennen. Dennoch war ich etwas beunruhigt. Yassers Gegner hatte sich wohl schon mit seinem Verlust abgefunden, und Blitzte a tempo die weiteren Züge herunter. Doch statt gewissenhaft mit etwas Ruhe die Zeit zu nutzen begann Yasser mit zu blitzen. Ein klassischer Einsteigerfehler, den die Veteranen unserer Mannschaft, Bernd, Frank, Boris und meine Wenigkeit bestens kennen. Nur allzu oft hat man solche so sicher gewonnen Stellungen auf diese Art und Weise noch vergeigt. Ehrlicher- und glücklicher Weise war es aber Yasser der die hohe Geschwindigkeit ausnutze und souverän den entscheidenden Vorteil in dieser Zeit raus schlug. Eine schöne Partie von Yasser, der es endlich geschafft hat, seine steigende Form auch in einen Mannschaftspunkt umzuwandeln.
Dann war es bei mir auch soweit. Mein Gegner hatte sich nach eigenem Bekunden auf den ehemaligen 2. Bundesligaspieler Bernd vorbereit. "Über 160 Partien habe ich von dem in meiner Datenbank. Ich habe mir 1.Sf3 genau angeschaut!!!". Wir mussten Ihn enttäuschen. Leider bekam er nur denn ehemaligen Kreisklasse Spieler aus Poll vor die Nase. Die ganze Vorbereitung für die Katz. Ein Glück für mich, dass ich nicht im Traum daran denken würde den hässlichen Springer von g1 im ersten Zug anzupacken. Nach den ersten Eröffnungszügen geriet die Schwarze Stellung immer mehr in Schieflage. Nach verlorener Qualität und desaströser Stellung meines Gegners nutze auch ein verzweifeltes Läuferopfer nichts mehr. Mit 5:0 war der Auswärtssieg eingefahren.
Auch Boris hatte eher einen kraftsparenden Tag erwischt. Gewohnt mit Schwarz auf Konter eröffnend, nutze er die erste Gelegenheit die weiße Stellung mit einem Doppelbauern entscheidend zu schwächen. Den Druck immer weiter erhöhend fielen dann auch die ersten Puppen seines Gegners über die Wupper. "Der war einfach zu stark", waren die letzten sonntäglichen Worte seines Gegners. Das Boris an diesem Tage ausnahmsweise mal nicht der letzte an den Brettern war, schien bei den souveränen Mitspielern kaum aufzufallen.
Abschließend zu den beiden einzig wirklich spannenden Partien des Tages. Der zuletzt nur selten zum Einsatz gekommene Präsident Mario geriet als einziger unserer Truppe in die Schieflage. Auch wenn wohl kein direkter Verlust für uns zu sehen war, stank seine Stellung doch sehr verdächtig nach "Ambra" (Wie wir an diesem Tag von Boris gelernt haben, handelt es sich bei "Ambra" um 1500$/kg teure Walkotze, ja richtig gelesen Walkotze). Aufgrund des vermutlich schlechtesten positionellen Zug, den ich persönlich gesehen habe (c5 in der russischen Verteidigung!), blieb erstmal lange nichts übrig für Mario außer Aushalten. Glücklicherweise konnte Marios Gegner nichts mit seiner Stellung anfangen. Nach erfolgreicher Verriegelung des Damenflügels war weit und breit jeder Vorteil versiegt. Nun kam die Stunde des Präsidenten. Die beste Gelegenheit nutzend drang Mario mit seiner Dame in die gegnerische Stellung ein. Zum ersten Mal in Druck geraten machte sein Gegner den entscheidenden Fehler. Danach mit einer Mehrfigur gesegnet gelang es Mario sogar noch ein krönendes Matt zu vollstrecken. Alles in allem ein verdienter Sieg für Mario. Nach seiner längeren Schachpause ist der holprige Start in diese Partie absolut nachvollziehbar.
Die härteste Partie hatte ohne Zweifel Klaus-Jürgen. Obwohl er recht sauber eröffnete gelang es ihm nicht sich vollständig dem weißen Druck zu entziehen. Immer wieder fand seine sympathische Gegnerin positionelle Züge, die ihm das Leben schwer machten. Sauber gespielt konnte er den Druck glücklicher Weise immer standhalten. Es entstand ein sehr ausgeglichenes Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern. Ob es an der größeren Erfahrung von Klaus-Jürgen oder an der mangelnden Konzentration der Gegnerin lag, man kann nur spekulieren. Vielleicht von dem langen positionellen Match geschlaucht ließ die Gegnerin ziemlich unnötig ein Eindringen des schwarzen Königs zu. Nun war die Sache zu unseren Gunsten einfach abzuwickeln. Das 8:0 war perfekt.
Auch wenn die 8:0 für unsere sympathischen Gegner etwas traurig wirken, ist Mitleid an dieser Stelle nicht angebracht. Ich bin mir sehr sicher, dass die zahlreichen Nachwuchstalente unserer Gegner (fünf an der Zahl) spätestens in 4 - 5 Jahren keine Gelegenheit auslassen werden uns "alte Säcke" abzuschlachten! Wir wollen hoffen, dass die tolle Jugendarbeit in Erftstadt noch lange bestand hat, und es weiter den jungen Spielern so früh Gelegenheit gibt, schachliche Erfahrungen zu sammeln.
Danach gab es noch eine gemeinsame Reise nach Chorweiler zu unseren schärfsten Aufstiegsrivalen Longerich - Brauweiler. Unglücklicher Weise war dieser Mannschaftskampf auch schon gelaufen. Am Ende hieß es 5:3 für die Gäste. Hoffentlich können wir die gute Form in unserem wichtigen Spiel in 3 Wochen wiederholen. Dann kommt es nämlich zum entscheidenden Kampf gegen Brauweiler!
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