Chor: "Nie mehr neunte Liga - Nie mehr!!! - Nie mehr!!!"

Mit einem äußerst deutlichen 7,5 - 0,5 Sieg in Kerpen haben wir endlich unser anvisiertes Aufstiegsziel erreicht. Wir verlassen nun die 1. Kreisklasse mit einem herzlichen Dankeschön an unsere Mitstreiter. Der viel zu hoch ausgefallene Sieg in Kerpen kann aber über die katastrophale Einzelleistung vor allem eines Mitspielers nicht hinwegtäuschen. Also auch über diesen Spieltag gibt es einiges zu berichten.

Nun zum einzelnen: Recht schnell stand fest, dass wir einen Punkt kampflos gewinnen werden. An Brett drei hatte Boris einen extrem leichten Arbeitstag, der mit dem Andrücken der Uhr beendet war.

An Brett eins gab es die erste Überraschung! Bernd spielte zum ersten Mal in dieser Saison 1. e4. Vermutlich schlauchten ihn seine zwar erfolgreichen, aber dennoch sehr anstrengenden Gewinnpartien der Vorrunden. Bisher hatte er es Eröffnungstechnisch immer sehr ruhig angelegt und musste sich und seinen Gegner in langwierigen Endspielen quälen. Diesmal kam es anders. Obwohl er bereits nach dem 4. Zug Eröffnungstheoretisch nichts mehr zu bieten hatte, kam er zügigst zu Vorteil. Auch sein Gegner, der eine seltene Variante gegen Schottisch wählte, schien im Trüben zu fischen. Recht schnell war klar, dass wir hier einen Sieg einfahren würden.

An Brett zwei kommen wir jetzt zum unwürdigsten Ereignis des Sonntages. Philipp, der äußerst ausgeruht zum Mannschaftskampf erschien, hatte wohl einen der schlechtesten Tage seiner minderwertigen Schachkarriere erwischt. Bereits nach wenigen Zügen seines extrem unkonventionell aufspielenden Gegners geriet Philipp in Schieflage. Der erste Bauer war weg, und auch nach längerem Hinsehen war nirgends Kompensation zu erkennen. Ganz im Gegenteil, nach wenigen weiteren Zügen, geriet die schwarze Stellung immer weiter unter Druck. Völlig überfordert mit der ungewohnten Situation geschah der nächste Extrem-Lapsus. Völlig unriskant verschmähte sein Gegner den simplen Qualitätsgewinn. Aber keine Angst, irgendwie wollte Philipp sein Material loswerden und stellte die Qualität wenige Züge weiter erneut ein. Was für ein Horrorschach. Der Gegner, der bis dahin klug agierte, wickelte souverän immer weiter ab. Es kam zu einem völlig hoffnungslosen Damenendspiel mit drei Minusbauern. Aber irgendwie wollte Philipp noch nicht aufgeben. Vielleicht gelang es Ihm ja noch ein Dauerschach rauszuholen - aber wie? Das was dann geschah ist im Prinzip unglaublich. In völlig simpel gewonnener Stellung übersah sein Gegner Enpassant!!! Plötzlich hatte Philipp selber einen unaufhaltbaren Freibauer auf der dritten Reihe! Anstatt jetzt selber ein triviales Dauerschach zu geben kam der nächste Hammer!!! Der Gegner lief wie von der Tarantel gestochen unmotiviert mit seinem König bis zum Verlust der Partie übers Brett. So zu gewinnen macht keinen Spass. Die Kommentare der Zuschauer geben einen ungefähren Überblick:

Gegner: "Bin ich krank!!!"

Rouven: "Philipp, das war ja unterirdisch!!!"

Kerpener: "Eh, spielst Du eigentlich alles weiter?"

Unbekannt: "Das ist nicht Kreisklasse, sondern Kreissaal"

Philipp: "Wie soll ich dass bloß meinen Enkeln erklären"

Glücklicher Weise ging es an den anderen Brettern wesentlich erfreulicher zu. Die Partie des Tages ging zweifellos an unseren Jan. Obwohl er mit schwarz nach der Eröffnung im Sizilianer ziemlich unter Druck geriet, gelang es ihm durch äußerst schönes Konterschach einen vernichtenden Gegenangriff zu starten. Wie von Meisterhand geführt, gelang Ihm eine Pointe nach der anderen. Sein Gegner der nach der Eröffnungsphase sicherlich sehr hoffnungsvoll dem Partieausgang entgegen spielte musste entnervt aufgeben. Nach den ersten wackeligen Partien von Jan steigerte er sich kontinuierlich von Mannschaftskampf zu Mannschaftskampf. Diese Partie ist sicherlich seine bisher beste schachliche Leistung. Irgendwie schön, dass er, der mit seinem unglücklichen Remis in Porz unsere Aufstiegsträume leicht zum wackeln brachte, durch diesen eindrucksvollen Sieg zum 4:0 unseren Aufstieg besiegelte.

Das nächste beeindruckende Schauspiel ereignete sich an Brett sieben. Mit Weiß gegen einen unkonventionellen Pircaufbau spielend gelang unserem lieben Mathieu das ein oder andere Kabinettstückchen. Ganz souverän und taktisch einwandfrei überspielte er seinen Gegner nach Strich und Faden. Mit äußerst unangenehmen Springermanövern zerstörte er nach und nach die gegnerische Festung. Im frühen Endspiel befanden sich die schwarzen Figuren fast alle auf der Grundlinie. Leider war Mathieu wohl selbst überrascht von seinem überzeugenden Auftreten. Anstatt den Sack kurz vor dem Ende zuzumachen, spielte ihm leider seine fehlende Erfahrung einen Streich. Viel zu schnell gezogen, vergab er seinen Vorteil und wurde zumindest noch mit einem versöhnlichen Remis belohnt. Dieser halbe Punkt ist sicherlich mehr als verdient und in anbetracht der gesamten Partie eine tolle Leistung von Mathieu.

Nun zur Kür: Bei Frank lief es mal wieder wie am Schnürchen. Obwohl er zum ersten Mal in dieser Saison das unangenehme Vergnügen hatte mit schwarz zu spielen gab es an seinem Sieg nichts zu deuteln. Recht schnell mit schwarz den Ausgleich erreicht, nahm sein Druck auf die gegnerischen Zentralbauern und der offenen E-Linie immer mehr zu. Nach dem er bereits einen Bauern und die Qualität auf dem Guthabenkonto verbuchen konnte, war der Rest reine Technik. Als bester Spieler der Klasse stellte er erneut seine Souveränität unter Beweis. 8 Punkte aus 8 Partien hieß die beeindruckende Bilanz.

Auch an Brett Acht stellte Rouven erneut unter Beweis das seine hervorragenden Leistungen bei der Kölner Stadtmeisterschaft und seine bisherigen 7 aus 8 in den Mannschaftskämpfen kein Zufall sind. Erneut musste er sich mit den schwarzen Steinen mit der französischen Abtauschvariante befassen. Wie immer gelang es ihm in dieser Eröffnung leicht Ausgleich zu erhalten. Im relativ zähen Mittelspiel sollte es ihm aber nicht direkt gelingen entscheidenden Vorteil zu bekommen. Die verdiente Entscheidung sollte erst in einem schwierigen Turmendspiel fallen. Ziemlich sauber wickelte er ihm Turmendspiel immer weiter ab. Mit seinen nun erhaltenen Freibauern auf dem Königsflügel war für seinen Gegner nichts mehr zu machen. Recht früh konnte er die korrekte Aufgabe seines Gegners zur Kenntnis nehmen.

Den letzen I-Punkt des Mannschaftskampfes gab es dann von unserem Schachfreund Klaus-Jürgen. Ausnahmsweise mit den weißen Spielfiguren bestückt gelang es ihm nach der Eröffnung großen Raumvorteil zu erlangen. Eigentlich waren wir uns alle sehr sicher, dass Klaus-Jürgen diese Partie ganz souverän in einen vollen Punkt umsetzt. Doch es sollte erstmal anders kommen. Irgendwie gelang es ihm nicht, seinen großen Vorteil am Damenflügel entscheidend umzusetzen. Etwas verzettelt versuchte er mit der Brechstange einen Königsangriff zu inszenieren. Nach ein paar unglücklichen Zügen war seine Lage allerdings mehr als kritisch. Der erspielte Vorteil am Damenflügel löste sich völlig in Luft auf und selbst sein Königsangriff schien nun leicht zu parieren. Glücklicher Weise übersah sein Gegner einen simplen Turmgewinn, der ohne Zweifel zum Verlust der Partie geführt hätte. Obwohl die Lage immer noch hoffnungslos schien, versuchte Klaus-Jürgen den letzen Trick der Stellung. Sein gieriger Gegner nahm nun einen erneut angebotenen Turm, und Klaus-Jürgens Falle schnappte zu. Auf einmal schien die gegnerische Stellung zu brennen. Obwohl hier noch eine ausgleichende Parade möglich gewesen wäre, war er mit seinem Latein am Ende. Der letzte gegnerische Fehlgriff führte zum 7,5 - 0,5 Endstand. Ein teilweise Glücklicher aber dennoch verdienter Mannschaftssieg stand erneut zu buche.

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