"Glorreichster Sieg aller Zeiten" - Randbauer II - SV Grünfeld II 1,5:6,5
Das hätte wohl niemand erwartet. Der SV Grünfeld II gewinnt sein erstes Auswärtsspiel beim Randbauer Rheinland deutlich mit 6.5:1.5.
Doch nun zum Verlauf dieses denkwürdigen Tages, an dem Cäissa unserer Mannschaft wohl gesonnen schien.
Am allzeit bekannten und geschätzten Spiellokal wurde wenige Tage zuvor der Treffpunkt gegen 10.00 Uhr in der Früh festgesetzt. Eine schrecklich unchristliche Zeit und so war unser einstimmig gewählter und nicht mehr absetzbarer Mannschaftsführer Mathieu sichtlich nervös, ob auch alle tapferen Recken antreten würden, da ja schon lange bekannt ist, dass unsere ersten beiden Bretter doch gern mal über die Stränge schlagen. Auf dem Weg zum Grünfeld kam auch schon die erste Hiobsbotschaft in Form eines Anrufs unseres geliebten El presidente: "ÄÄHHH Mathieu, wie isses, hier is der Mario, du ich komm erst ne halbe Stunde später, ich bin gerade im Bad, das kann dauern." Na ja das fängt ja gut an. Doch am Grünfeld angekommen erblickte Mathieu schon die ersten drei Mitstreiter. Das Griechenduo Herk und Fotti samt unserem Haudegen Micha Steinrücke, der durch seine hervorragende Leistungen im Grünfeldpokal in die Mannschaft rückte, machten einen hoch motivierten Eindruck. Doch plötzlich, fünf Minuten nach dem dubiosen Anruf, tauchte unser Mario wie Phönix aus der Asche auf; und holla die Waldfee, der sah gar nicht so schlecht aus wie er sich am Handy anhörte. Nach und nach trafen auch unsere Mitkämpfer Jasser und Veselin ein, doch wo blieb Felix? Kurzes Telefonat und es war klar, warten ist angesagt. Na ja, nach kurzem knurren einiger Mannschaftsmitglieder traf dann unser lieber Felix um 10.40 ein und es konnte losgehen.
Ein Taxi wurde ausfindig gemacht und so gelangte unsere Mannschaft nach lustiger Fahrt ( Al Bundy der größte Philosoph unsrer Zeit ) zum schönen Spiellokal des Randbauern, an diesem unser Mannschaftskamerad Andy uns schon erwartete. Das nennt man Luxus, in einer so niedren Klasse mit neun Mann antreten zu können. Zur Freude aller traf dann auch noch unser lieber Frank ein, der sich dieses hochkarätige Sportereignis nicht entgehen lies. Nach herzlicher Begrüßung des Präsidenten Elu Hebel und einiger Verwirrung unseres Wettkampfleiters Mario beim Verlesen unsere Mannschaft: "Parasekavtis….Parasvitakis …. äh …. Parairgendwas und Kozhua … Kazuahu…ach Veselin du sitzt an Brett 7" konnte es nun endlich los gehen, die Bretter wurden frei gegeben und der Mannschaftskampf begann. Leider muss man erwähnen das unsere werten Gegner das Brett 8 leider nicht besetzen konnten und so unser schachgieriger Micha leider um seine erste Mannschaftspartie geprellt wurde. Kampflos zu gewinnen ist einfach nicht unser Stil, aber was soll's, Punkt mitnehmen, 0:1 führen und Mund abputzen, weiter geht's.
Nun zur chronologischen Reihenfolge der einzelnen Spiele:
Schnell war klar, dass wir unseren Vorsprung ausbauen konnten. Unser Neuzugang und bulgarische Geheimwaffe Veselin erspielte sich mit der Wahl des Ewans Gambit, dessen theoretische Verwicklungen den Gegner so überraschten, einen klaren Vorteil, so dass Veselin einfach nach der Eröffnung mit einer Mehrfigur ins Mittelspiel gelangte. Der Gegner suchte nun durch merkwürdige Damenzüge sein Heil im Angriff. Doch noch Lg5 standen der eben Angesprochene keine Felder mehr zur Verfügung, tja die war wohl weg. Nach wenigen Zügen konnte Veselin nach Läuferopfer noch einen Turm auf seinem Konto verbuchen. So blieb dem Gegner nur noch die Aufgabe. Sehr schöne Partie Veselin, weiter so. 0:2.
Das nächste beeindruckende Ereignis folgte an Brett 5. Unser lieber Felix wählte die bekannte Lutschi-Eröffnung alla Bernd und konnte seinen zu passiv Königsindisch spielenden Gegner an die Wand schieben. Nach den Worten des Mannschaftsführer Mathieu: "Boah, deine Stellung is ja ne Atombombe", leitete Felix eine Bärenthaler Bauernkloppe gegen den gegnerischen König ein. Diesem Ansturm konnte der Schwarze nichts mehr entgegensetzen. Nach einigen Zügen gewann Felix einen Läufer und matt in drei war nicht mehr zu verhindern. Eine gute Leistung, Felix. 0:3.
Diesen schönen Ergebnisstand baute unsere Heraklis durch ein nach 17 Zügen mit dem Gegner vereinbartes Remis auf 0.5:3.5 aus. Heraklis aus seinem eigenwilligen Sizilianer ("dat spielen auch Gm's") gut verteidigend hatte einige Chancen auf Vorteil, aber irgendwann war die Stellung so ausgeglichen, dass keiner der Kämpfer einen Gewinnplan auserkoren konnte. So mit ist das Remis gerechtfertigt und tut keinem weh.
Den unglücklichsten Fehlgriff und einzige Niederlage des SV Grünfeld II erlaubte sich unser anerkannter Mannschaftsführer Mathieu. Den Gegner in der Eröffnung überspielend gab Mathieu seinen Vorteil leichtfertig ab und gelang trotz Minusbauern in ein ausgeglichenes Mittelspiel. Nach einigen Zügen schätzte Mathieu die Stellung falsch ein und präsentierte dem geschätzten Präsidenten der Randbauern Elu Hebel eine besonders Geschenk: die Dame! Patschehändchen, das Versprechen auf ein Kölsch und die Partie war Geschichte. Man kann nur sagen: "Konzentrier dich mal Mathieu und mach dir nicht immer in die Hose!" 1.5:3.5.
Na ja, es muss weitergehen und das geschah auch. An Brett 6 lies unser lieber Fotti dem Gegner keine Chance. Aus der Skandinavischen Verteidigung heraus hatte Fotti doch einige Probleme, aber sein Gegner konnte die schwächen nicht ausnutzen. Als der Führer der weißen Steine einen verzweifelten Königsangriff inszenierte, verteidigte Fotti recht clever und konnte sogar seinem Gegner den Läufer abluchsen. Nun war die Weiße Stellung hoffnungslos. Fotti formierte seine Figuren zum letzten Angriff. Recht aufgeregt ( Fotti: "Ich bin mein größter Feind") ließ er einige Gewinnzüge aus, aber die Stellung des Weißen stand so breit, dass Fotti in langsam und genüsslich ausdrückte. Nachdem der Gegner unwissend die Dame in die Breche geworfen hatte, war der Mannschaftssieg dank Fotti perfekt. 1.5:4.5.
Den nächsten Punkt zog unser El presidente an Land. Mit den schwarzen Steinen verteidigend musste sich unser Mario mit dem Nordischen Gambit auseinander setzen. Aber wegen langen mit Mathieu durchzechten Nordischabende war wohl jedem klar, dass Mario dies meistern würde. Doch zur Überraschung lenkte der Gegner in ein dubioses Skandinavisch im feinen Zwirn ein. Mario klug agierend stellte seinen Gegner vor gewaltige Probleme. Nachdem der glorreichste Präsident aller Zeiten seine Läuferpeitschen auspackte und sich "yam yam" zwei Bauer einverleibte, war allen klar, dass dieses Spiel gewonnen sein muss. Zack, Zack wurde alles abgetauscht und der Gegner musste einsehen, dass ein Endspiel trotz Ungenauigkeiten auf beiden Seiten mit zwei Minusbauern verloren ist. Aufgabe. Eine solide Leistung von Mario. 1.5:5.5.
Die spektakulärste Darbietung ereignete sich aber an unserem Brett 1. Unser Königsmörder Jasser lieferte die beste Leistung des Tages ab. Gegen eine Sweschnikov- Sizilianer spielte der Jeff eine sehr gute Eröffnung und stellte die um Ausgleich ambitionierten schwarzen Steine schnell kalt. Doch irgendwie verzettelte sich Jasser im Mittelspiel und musste sich nun mit zwei verbundenen schwarzen Türmen im eigenen Lager auseinandersetzen. Der Gegner hatte nun Blut geleckt und stürmte mit seinen Bauern auf die weiße Königstellung zu. Ein jeder, besonderst Mathieu, hätte keinen Pfifferling mehr auf Jassers Stellung gesetzt, doch dieser mit den Worten: "Dat hält allet", opferte eine Qualität. Dies, kaum zu glauben, erwies sich als Gewinnzug. Der Springer von Jasser wurde zum Aggressor und mehr wert als zwei Türme. Der durchaus verblüffte Gegner fand sich in einem unausweichlichen Mattnetz wieder. Jasser konnte eine Turm gewinnen und später ganz einfach noch eine weitere Figur, die er jedoch verschmähte. Bauernendspiele mit zwei Mehrfiguren sind einfach nicht seine Welt, Jasser will mehr: das Matt. Dies bekam er auch, aber nicht so wie er es sich errechnet hatte. Nach dem Jasser den Läufer nicht schlug, knallte er seine Dame auf f4 und erwartet nun den Händeschlag seines Gegners; es ist ja Matt!!!! Aber der zog seine König auf des letzte Feld das im geblieben war und Jasser schoss das Rot der Scham in den Kopf. Na ja, was soll's, Knick in der Optik, aber drei Züge später hatte Jasser sein Matt und die zur Aufgabe bereite Hand seines den Vorfall mit Humor nehmenden Gegners.
Damit war der erste Mannschaftskampf des SV Grünfeld II gewonnen. Körperlich am Ende aller Kräfte, aber dennoch glücklich und zufrieden, kehrte unsere Mannschaft in das heimische Spiellokal ein und feierte das große Ereignis bis in die Morgenstunden, hat es doch bewiesen, dass hier eine Mannschaft zusammengewachsen ist, mit der man in der Klasse zu rechnen hat, auch ohne die Patzer aus der ersten.
Ein besonderer Dank geht an die Männer des Randbauern Rheinland, die sich als gute Gastgeber und faire Sportsmänner erwiesen, sowie an unseren lieben Frank, der uns durch seine Anwesendheit als erfahrener Schachhase die nötige Sicherheit gab. Vielen Dank Frank.^
So nun ja, wie wird es weiter gehen mit dieser sympathischen Mannschaft? Wir werden es sehen und hören. Die Nachwelt wird ihre Taten besingen.
Bis dänne, Euer Berichterstatter
- BIERGARTEN
- MUSIKBAR
- SCHACHKNEIPE
- KICKERHÖHLE
- WII-BAR
Brüsseler Straße 47 Köln
geöffnet täglich
ab 16.00 Uhr
