Mit blauem Auge zu einem glücklichen Sieg - SV Grünfeld II – Erftstadt 5:3

von Matthias Georg Deutsch

Meine Güte! Was für ein Mannschaftskampf! Unsere Recken des 2. Kampfkommandos konnten zwar ihre erste Heimpremiere gewinnen, aber wegen schrecklichen „Rumgegurke“ nicht wirklich überzeugen.

Wie so oft wurde der Mannschaftstreff am geliebten Spiellokal gegen 11.00 vereinbart. Doch unser pflichtbewusster Mannschaftsführer Mathieu war nach eigenen Worten so heiß auf das neue Spielmaterial, dass es ihn nicht zu Hause hielt, und schon um 10.00 antanzte, das Schlachtfeld einzurichten. Auch unser Micha und Veselin tauchten relativ früh auf und halfen fleißig mit, so dass gegen 10.30 alles zur Verrichtung bereit stand. Nach und nach trafen unser Griechenduo Herk und Fotti, der geliebte El Presidente, unsere persische Wunderwaffe Jasser und unser Felix ein. So kann wieder voller Stolz berichtet werden, dass unsere Mannschaft vollständig angetreten ist. Nun hieß es auf unseren Gegner warten und alle waren nach kleiner Frühstücksstärkung guter Dinge und Frohsinn, aber was war mit unserem Mario los? Ihm schien doch eine mächtige Laus über die Leber gelaufen zu sein, da man ihm deutlich seine Unlust aufs Schachspielen ansah und sich leider auch auf seine Partie und die gesamte Mannschaftsmoral übertrug, doch später mehr dazu.

Kurz vor 11.00 traf dann unser Gegner aus Erftstadt ein, welche aus 11-17 jährigen Nachwuchstalenten bestanden, welche sehr von unserem Spiellokal angetan waren.

Nach netter Begrüßung und den üblichen Formalitäten konnte der mit Sehnsucht erwartete Mannschaftskampf beginnen.

An Brett 1 war ziemlich schnell alles klar. Unser im letzten Mannschaftskampf so großartig aufspielender Jasser hatte einen leichten Arbeitstag, da unsere Gegner ihr erstes Brett gar nicht besetzten und wir somit schon mal 1:0 führten. Jasser wurde zur Theke und zum Tassenspülen abkommandiert. Na, was soll’s. Das nächste Mal werden wir deine Tatkraft brauchen, Jeff.

Nun zur Chronologie dieses Spieltages:

Unser großartigster Mannschaftsführer Mathieu konnte die Führung ausbauen. Seine junge Gegnerin überraschte unseren French-Spezialisten in seiner Lieblingsverteidigung mit 3. Df3, was zunächst erst einmal mit Stirnrunzeln entgegengenommen wurde. Aber was soll nun geschehen? Zunächst Vereinfachung. Schnell wurde alles abgetauscht und in ein Remis-verdächtiges Turm-Springer-Mittelspiel eingelenkt. Dieser Nichtangriffspakt hätte aber auch leicht bestraft werden können, da es an drei Brettern nicht so gut für uns stand. Doch die junge Gegnerin konnte die strategischen Pläne Mathieus nicht verhindern und ließ das Eindringen des schwarzen Turms und eines starken Springers zu. Nach einer Springergabel mit Turmgewinn oder Matt entschied sich das Nachwuchstalent die Partie lieber mit einem Turm zu beenden. Tja Glück gehabt. 2:0

Das erste Drama ereignete sich an Brett 5. Unser lieber Felix hatte es mit einem 11-jährigen Nachwuchstalent aus Erftstadt zu tun. Eigentlich hatte Felix die Partie nach der Eröffnungsphase ausgeglichen und seine Stellung war eigentlich zu bevorzugen, aber Felix fand danach die vier schlechtesten Züge und der junge Führer der weißen Steine konnte einfach vier Bauern mehr auf seinem Konto verbuchen. Nachdem dieser einen Turm gegen zwei Figuren tauschte und die Damenumwandlung direkt bevorstand, spielte Felix unverdrossen weiter. Aber nach wenigen Zügen musste unser Brett 5 einsehen, dass ein Spiel mit zwei Weniger-Figuren und vier Weniger-Bauern verloren ist. Was soll’s, das kann jedem Mal passieren, lass den Kopf nicht hängen, Felix. 2:1

Auch unser Brett 6 hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt. Unser lieber Fotti spielte mit Weiß seine Lutschi-Eröffnung und musste sich mit dem jetzt wieder hochmodernen Slawen auseinander setzten. Eigentlich war alles in Ordnung….bis zum 10. Zug. Fotti auf den weißfeldrigen Läufer schielend griff diesen mit seinem Springer an, aber plötzlich stand die Dame auf dem Springerfeld. Tja, eingeparkt. Fotti spielte zwar weiter, aber nachdem er zusätzlich seinem jungen Gegner noch eine Qualität schenkte, war die Partie Geschichte. Händeschlag und Gut ist es, mach dir nichts draus, Fotti. 2:2

Plötzlich Ausgleich. Doch nun zu unserem geschätzten Mario. Unser El presidente hat es einfach mit c5 (vgl. Bericht 7.Runde letzten Jahres). Aus der englischen Eröffnung spielte sein Gegner einen ganz normalen Eröffnungszug d5 und nun ... meine Güte… c5. Was macht dieser Zug eigentlich? Zwei Dinge: Nach e5 stellt er den Bauern ein und gibt das Zentrum auf, Mensch Mario. Nun ja, wie gesagt, Mario hatte keinen guten Tag erwischt und musste nun um Ausgleich hoffen. Aber unser EL P. kämpfte sich wieder heran und stand auf einmal leicht besser. Der Gegner irgendwie geschockt durch Marios Springermacht bot Remis, doch unser Brett 2 wickelte falsch ab und musste sich mit unangenehmen Grundreihenmattmotiven auseinander setzen. Jetzt stand unser Gegner auf Gewinn und erwähnte, nachdem Mario alles Angriffpotenzial in die Schlacht warf, dass sein Remisangebot immer noch bestehen würde. Dies wurde sofort akzeptiert, da Mario sein Glück nicht überfordern wollte. Meine Güte Mario, ein schmeichelhaftes Remis, aber du hättest dir selbst eine Menge Ärger ersparen können. 2.5:2.5

Nun aber mal zu erfreulichen Ereignissen. Unser Micha hatte an Brett 8 sein erstes offizielles Match und musste sich mit der Französischen Verteidigung auseinander setzten. Er wählte die Vorstoßvariante, aber der Gegner erklärte ihm nach Beendigung des Spiels in der Analyse, dass der Zug e5 minderwertig sei. Nachdem dem wir ihm erklärten, dass dieser Zug absolute Theorie ist, war er schon sehr verdutzt. Aber unser Micha kannte sich nun auch nicht sehr gut in dieser Variante aus; er spielt eben Schach, schön dass es das auch noch gibt. Die Partie wurde von beiden Seiten recht spannend und ausgeglichen gestaltet. Fesslung hier und da, wilde Drohungen, aber alles hielt. Nun drohte auf einmal ein Läufer-Verlust unseres Mannes, aber Micha sah den richtigen Verteidigungszug. Sehr gut Micha. Nach Abtausch der Damen und Türme entstand eine Remisstellung mit ungleichfarbigen Läufern. Keiner von uns konnte sehen, wie dies Spiel zu gewinnen ist. So wurden sich friedlich die Patschehändchen gereicht und das Remis vereinbart. Eine sehr gute Leistung, Micha. 3:3

Nun hing alles an den letzten Brettern. Aber die schwierige Phase hatten wir überstanden und die Aussichten standen auf Sieg.

Unser Bulgarenbomber Veselin ließ der jungen Gegnerin keine Chance. Nach der Eröffnung war alles ziemlich ausgeglichen. Doch zur Freude aller stellte die Führerin der weißen Steine mit Df4 ihren Läufer ein. Dieser wurde genüsslich angenommen. Veselin drang immer gefährlicher in die generische Stellung ein. Nachdem die Damen getauscht wurden, wickelte Veselin in ein Endspiel mit Mehr-Springer und unaufhaltbaren d-Bauer ab. Nach dem der Siegesbauer auf der siebten Reihe dem gegnerischen König Schach bot und der Damenumwandlung nichts mehr entgegen stand, missachtete die Gegnerin das Schachgebot und gab selbst mit dem Turm Schach. Veselin selbst verwirrt, wollte schon seinen König aus dem Schach ziehen, aber Mathieu erinnerte mit einem leisen Räuspern die werte Gegnerin, dass sie selbst im Schach stünde, worauf sie nach diesem irregulären Manöver mit rotem Kopf Veselin die Hand reichte und aufgab. Wieder eine sehr schöne Partie von unserem 100% Mann Veselin, weiter so. 4:3

Nun musste der Sack zugemacht werden und dies geschah durch unseren werten Herakles. Dieser konnte endlich seine neue Geheimwaffe in Form des alten Königsgambits auspacken. Sein Gegner ohne Theoriekenntnissen in dieser Stellung war total überfordert und unser Powergrieche konnte ihm die Dame abdribbeln. Danach war die Stellung total gewonnen und Herakles hätte in ein einfaches Endspiel abwickeln können, aber er quälte sich in eine gekünstelte Stellung. Nachdem der Gegner im dennoch gewonnen Endspiel einen Turm einstellte, verschmähte unser Mann dieses Geschenk, was zu Kopfschütteln aller Kiebitze führte. Aber zwei Züge später bot der junge Gegner den Turm erneut an. Diesmal wurde zugegriffen, zum einen den Turm, zum zweiten die Hand des zur Aufgabe bereiten Gegners. Alles in allem eine schöne Angriffspartie von Herk. 5:3

Somit war der Mannschaftssieg perfekt, aber eine holprige Mannschaftsleistung war geblieben. Man kann sagen, dass unsere Truppe mit einem blauen Auge davon gekommen ist.

Einige unserer Mitstreiter muss nach dieser Leistung klar werden, dass im Sinne der Mannschaft und des Gesamtziel Aufstieg, ein bisschen mehr Konzentration von Nöten ist, denn es gibt keine schwachen Gegner. Wir sind eine Mannschaft, wir verlieren zusammen und gewinnen zusammen, schlechte Tage kann es immer geben, aber das Wichtigste ist, dass wir als Mannschaft in der Zukunft zusammenstehen.

Dank ergeht an unsere fairen Gegner, welche einen spannenden Mannschaftskampf spielten. In ein paar Jahren werden wir gegen diese Talente mehr zeigen müsse. Besonderen Dank an Phillip der sich dieses Schauspiel antat. Ich kann versichern Augenkrebs ist heilbar.

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