Erstes Heimspiel: Solider Vortrag - SV Grünfeld I – Brühl IV 6,5:1,5
von Boris Maric
Wie bereits in der letzten Saison trafen wir in unserem ersten Heimspiel auf den Brühler SK. Diesmal jedoch auf die IV Mannschaft. Die große Frage, die vor dem Kampf im Raum stand, war: Würden wir an unseren 7:1 Sieg im letzten Jahr anknüpfen können? Im Vorfeld gab es leider erst einmal Besetzungsprobleme. Sowohl Philipp als auch unser Wach-Koma Experte konnten aus verschiedenen Gründen nicht in das Geschehen eingreifen. Sorgen brauchten wir uns angesichts unserer starken Ersatzleute dennoch nicht zu machen, da unsere Wunderwaffe Rouven kurzfristig einspringen konnte und Jan und Andrea bereits im voraus klargestellt hatten, dass sie besonders heiß auf Ihren Saisonauftakt waren.Nach ca. einer Stunde war die Lage an den meisten Brettern recht offen. Ein deutliches Übergewicht sah ich nur für Jan, der mit Schwarz aggressiv Eröffnungsvorteil erspielte und für Michael, der sich anschickte die gegnerischen Damenflügelbauern zu verspeisen. Bernd,der vermutlich wieder einmal auf die längste Partie spekulierte (Koma-Boris spielte ja nicht), war mitten in der Eröffnung, die sich inzwischen über eine wundersame Zugfolge von einem unregelmäßigen Abspiel in einen zünftigen Sizilianer transformiert hatte. Die erste Entscheidung fiel bald bei Rouven, der seine Brechstange anders als im letzten Kampf etwas behutsamer anfasste. Leider fehlte auch diesmal der richtige Hebel und der Gegner konnte in ein leicht vorteilhaftes Endspiel abwickeln. Zum Glück fehlten ihm aber die richtigen Ideen und statt Rouven noch ein paar Stunden zu kneten, bot er Remis an. Nach kurzer Beratung mit den Vereinskollegen ("hau ihn um", "hör nicht auf die", "mach was du willst"), sackte Rouven den halben Punkt richtigerweise ein. Die erste Partie ist jetzt endgültig vergessen, und wir können uns auf neue Killerpartien von Rouven einstellen.
Die nächste Entscheidung fiel bei unserem Neuzugang Michael. Trotz eines überflüssigen Bauernzugs im frühen Eröffnungsstadium hatte er den Gegner schon vor unangenehme Entscheidungen stellen können. Den ersten übelste vergifteten Bauern verschmähend wurde in ein vorteilhaftes Endspiel mit zunächst einem und schließlich 2 Mehrbauern abgewickelt. Nachdem der Gegner nicht mehr in seiner Lähmung verharren wollte und dafür den Springer spuckte, war alles klar. Solide Leistung!
Schlecht erging es leider Jan. Nach großem Eröffnungvorteil verfing er sich in einer zwar noch vorteilhaften aber wohl unnötigen Abwicklung und fand nicht mehr die genauesten Züge, um den Vorteil wieder zu vergrößern, was sein plötzlich stark aufspielender Gegner zu nutzen wusste. Ein eigentlich schon abgeschriebener gegnerischer Bauer drohte gefährlich zu werden, und die eigene Königsstellung fing an zu wackeln. Nach einem Turmschach, dass dem eigenen König die Luft zum Atmen nahm, war dann nichts mehr zu machen. Schade!Jans solides Schachverständnis und schöne Siege in der letzten Saison lassen jedoch zuversichtlich sein, dass mit Sammeln von mehr Routine solche verschenkten Partien seltener werden: 1.5-1.5!
Der Kampf schien plötzlich wieder offen und Frank's Ausführungen zu seinem schachlichen "Wohlbefinden" fingen an, mich unsicher zu machen. Der Arme musste die schwarzen Steine führen und hatte gegnerische Chancen zu gutem Spiel zu kommen ausgemacht!! Da Toby inzwischen großen Vorteil erlangt hatte und Andrea sich dazu anschickte, den Gegner in einem vorteilhaften Endspiel lehrbuchmäßig und standesgemäß zu verarzten, waren meine Sorgen jedoch schnell wieder verflogen. Und tatsächlich: Frank konnte in ein gewonnenes Endspiel abwickeln und hatte wieder Freude am Schach. Der erste Bauer fiel, der Abtausch des letzten Leichtfigurenpaares leitete in ein mechanisch abzuspulendendes Bauernendspiel über und es stand 2.5-1.5. Wie von Mr. 100% Frank gewohnt: sauber gejammert und sauber verwandelt!
Die nächste Entscheidung fiel bei Andrea. Nach kurzer Aggression am Königsflügel und einer ausgelassenen gegnerischen Chance wurden die Damen getauscht. Für den Gegner muss dies das Signal zu einem ersten Remisangebot gewesen sein, welches sie jedoch höflich überhörte. Schließlich standen die eigenen Figuren viel aktiver, und es war ein solider Raumvorteil gegen einen schlechten schwarzfeldrigen Läufer zu verbuchen. Nach konsequenter Aktivierung der Leichtfiguren drangen diese ins gegnerische Lager ein. Der vorläufige Höhepunkt war eine Stellung mit 4 nebeneinander stehenden symmetrischen angeordneten Läufern auf der gegnerischen Grundreihe - ein Bild für die Götter. Wenig später waren Bauernverluste bei unbeweglicher Stellung des Gegners nicht mehr zu verhindern und Andreas Premiere im Grünfeld brachte uns dem Sieg einen weiteren Punkt näher: 3.5-1.5. Zu diesem Zeitpunkt sah es an den restlichen drei Brettern auch nachsicheren Punkten aus.
Toby hatte seinen Vorteil weiter vergrößert. Der Gegner hatte in der Eröffnung die Kontrolle über das Zentrum aufgegeben und es mit der Entwicklung seines Königsflügels nicht besonders eilig gehabt. So was geht natürlich nicht mit T-ReckZ. Der bereits früh gewonnene Bauer war bald nicht mehr wichtig. Toby fand ein Zickzackmanöver mit seinem Turm in das gegnerische Zentrum, zurück in seine Hälfte vom Damenflügel und wieder zurück in Zentrum. Das gegnerische unterentwickelte Lager wurde dabei dermaßen ausgedribbelt, dass dem König im Zentrum wohl schwindelig war. Der Gnadenstoß folgte postwendend. Schön und originell gemacht! Nebenbei verbrauchten beide Opponenten fast ihre gesamte Bedenkzeit für nur 26 Züge, von einem leichten Routinesieg kann also nicht die Rede sein.
Der Mannschaftskampf war gewonnen und alle Aufmerksamkeit konnte sich auf unsere beiden Spitzenbretter richten. Bernd's Rechnung schien nicht aufgegangen zu sein. Durch das Hineinrutschen in einen scharfen Sizilianer war es wohl kaum mehr möglich, den Kampf länger als Martin auszusitzen, der eine überlegene aber ruhige Stellung Zug für Zug dem Sieg entgegensteuerte. Zwischenzeitlich machte sich der ein oder andere Teamkollege sogar Sorgen um Bernd. Der Gegner hatte mutig einen brutalen Königsangriff vom Zaun gebrochen und nach einem Läuferopfer kamen plötzlich gefährliche Mattdrohungen auf. Ein oberflächlicher Blick von außen, ließ tatsächlich an die Korrektheit des schwarzen Spiels glauben. Auf dem Höhepunkt der Partie wurde auch noch die schwarze Dame geopfert und die Zuschauer rieben sich erstmal die Augen. Die Annahme des Opfers und viele andere Züge hätten zum Matt geführt. Bernd behielt jedoch, wie man ihn kennt, den Überblick, und knipste den gegnerischen Hoffnungen mit einem Zwischenschach, welches nebenbei die wichtigsten Felder in der eigenen offenen Königsstellungen deckte, das Licht aus. Der Sieg war sichergestellt, die längste Partie musste Bernd jedoch mit einem heimlichem, nur vom Berichterstatter wahrgenommenen Murren abschreiben. Sie ging diesmal an Martin. Seine neueste Eröffnungswaffe trug wieder einmal frühe Früchte. Bereits nach wenigen Zügen wurde unter Abgabe des Läuferpaares die gegnerische Bauernstruktur leicht geschädigt. Um Schlimmeres zu verhindern, wurde ein Läufer vom Gegner jedoch bald wieder aufgegeben. In der entstehenden Stellung waren die schwarzen Figuren einfach aktiver. Bald brachte die schwarze Dame großes Unbehagen in die hinteren gegnerischen Reihen. Etwas überprophylaktisch und einen Bauern aufgrund einer eigentlich ungefährlichen möglichen taktischen Wendung verschmähend, wurde der Vorteil solide ins Endspiel transportiert und weiter vergrößert. Der Gegner konnte dem größer werdenden Druck nicht standhalten und verlor Qualität und alle Hoffnungen auf einen glimpflichen Ausgang der Partie.
Alles in allem können wir auf einen solide vorgetragenen Mannschaftskampf gegen sehr faire und für die Klasse spielstarke Gegner aus Brühl zurückblicken. Wir freuen uns auf die nächste Partie in Rodenkirchen!
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