Spannung bis der Arzt kam! Pulheim III - Grünfeld II 3.5:4.5

Mit einem spannenden und knappen Mannschaftskampf setzen sich unsere Helden der zweiten Kampftruppe gegen starke Pulheimer durch.

Was für eine Darbietung! Man kann es nur noch einmal betonen! Kein Punkt zuviel abgegeben und mit einem glücklichen Händchen den Sieg eingefahren. Doch nun zu den Geschehnissen dieses denkwürdigen Tages:

Unser überzeugender Mannschaftsführer Mathieu hatte all seine Mitstreiter um 10.00 ans Grünfeld gebeten, um den beschwerlichen Weg nach Pullheim, einen heimlichen Konkurrenten um den Aufstieg, zu bestreiten. Alle waren seinem Ruf gefolgt! Unser Micha, Fotti, welche sich um den Transport kümmerten waren pünktlich angetreten, auch Felix und Veselin schienen guter Dinge zu sein, unser Iraklis-Ersatz Andy, der seinem allerersten Einsatz entgegenfieberte, und Yasser waren zur Stelle: aber nanu da fehlt doch einer! Der werte El P. war nirgends zu erblicken. Nach langem Hin und Her und vergeblichen Anrufen war jedem klar, Mario muss aus dem Bett geholt werden, einfach ein Brett und noch dazu das zweite nicht zu besetzen, geht schon mal gar nicht. Also los in Fotis Auto und zum noblen Präsidenten-Palast (Die Adresse wird aus Angst vor Repräsalien und Giftanschlägen mit dubiosen Substanzen nicht erwähnt). Dort angekommen wurde der angeschlagen El P. überfallen und eingepackt. Wir waren wieder vollständig, aber der arme Mario wurde einstimmig zum Wettkampfleiter ernannt, und konnte somit für seine Verspätung Sühne leisten; doch später mehr dazu. Endlich mit allen Mannen im malerischen Pullheim angelangt, stellte sich die nächste Frage: Wie ist das Spiellokal unserer Gegner ausfindig zu machen? Nur mit dem Straßennamen und der Information versehen, dass sich dieses in einem Sportzentrum befand, irrten wir durch die Prärie und einigen Gebäude dieser Sportanlage. Alles tot, doch auf einmal Stimme. Mario und Mathieu, die keine Furcht zeigten, bildeten den Spähtrupp. Auf einmal Musik…Häh… ist hier Schach? Nein. Wir waren auf den 60ten Geburtstag eines Pulheimer geplatzt, der nett erklärte, dass das Lokal der Gegner gegenüber zu finden sei, schade bei Musik und Kölsch hätten wir auch gerne gespielt.

Nun war alles klar. Nach kurzer Begrüßung konnten die wenigen Formalitäten abgearbeitet werden. Unser Mario war, bereits erwähnt, zum Wettkampfleiter bestimmt, bot wieder eine hervorragende Leistung, aber zu seiner Verteidigung muss erwähnt werden, dass der Ärmste eine harte und lange Arbeitsnacht hinter sich hatte und wir froh sein konnten, dass er dennoch zur Unterstützung angetreten ist. Auch muss erwähnt werden, dass unsere Gegner sehr fair agierten und die Uhren noch nicht liefen. Nun konnte der spannende Mannschaftskampf beginnen:

Die erste Entscheidung fiel recht schnell an unserm Brett 8. Unser lieber Andy, der wie bereits erwähnt, sein erstes offizielles Match bestritt, musste leider die Erfahrung machen, dass er sich im Modus geirrt hat. Nach nur 15 min war die Partie leider verloren. Mit den schwarzen Steinen verteidigend musste sich Andy mit der Italienischen Eröffnung auseinander setzten. Aber da er in Schnellschachlaune war, erkannte Andy die taktischen Fallen seines Gegners leider zu spät. Nach dem 17. und 21. Zug hatte unser Mann einfach seine zwei Türme eingeparkt und folgerichtig aufgegeben. Na ja, Andy, macht nichts, das kann man unter einem typischen Anfängerfehler verbuchen und ist jedem schon einmal passiert. Wenn du in der Zukunft ein bisschen geduldiger an die Sache gehst, können wir noch viel von dir erwarten. 0:1

Huihuihui, Auf einmal Rückstand, aber wir hatten ja noch ein paar heisse Eisen im Feuer. Unser Micha ist auf jeden fall eines, dessen noch einwenig Schmiedekunst bedarf, aber man sich keine Sorgen zu machen braucht. Endlich einmal mit den weißen Steinen eröffnend musste sich unser Micha mit der Philidor-Verteidigung auseinander setzten. Dies meisterte unser Brett 7 recht erfolgreich und hatte schon bald großen Vorteil. Micha hätte taktisch ganz einfach eine Figur abholen können, aber er entschied sich für einen nicht schlechtern Angriff. Der Gegner so geschockt, gab seinen Springer nun freiwillig auf, um schlimmeres zu Verhindern. Mit diesem Erfolgserlebnis im Rücken spielte Micha unverdrossen auf Königsangriff und wurde nach einer Fehlberechnung seines Gegners im langen Rochadebereich mit Matt belohnt. Eine sehr gute Partie von Micha, der immer noch in seiner jungen Schachlaufbahn ungeschlagen ist und für unsere Mannschaft ein sicherer Rückhalt. 1:1

Sehr gut! Ausgleich. Diesen Ergebnisstand konnte unser ehrwürdiger Mannschaftsführer Mathieu in eine Führung umgestalten. Gewohnt eröffnend wurde Mathieu mit 1. ..Sc6 konfrontiert. Oh..nein, der Maric-Tuerk-Zug. Aber unverdrossen spielte Mathieu, keine Ahnung von dieser Eröffnung, natürliche Eröffnungszüge, während sich sein Gegner extrem passiv aufstellte. Nach einigen Zugumstellungen kam es zu einer sizilianisch-artigen-Ceres-Angriffs-partie und Mathieu konnte seinen Vorteil immer weiter ausbauen. Nach unangenehmen Springerzügen versuchte der Gegner seinen zu lange im Zentrum verharrenden König aus der Gefahrenzone zu retten. Dies stellte aber zur Freude.

Mathieus eine Springer ein. Mit einer Mehrfigur konnte Mathieu in ein gewonnenes Endspiel abwickeln. Der Gegner zusehend frustriert, stellte wenige Züge später noch seinen Turm ein, worauf dieser auch sofort aufgab. Eine schöne Angriffspartie von Mathieu: 2:1

Doch nun nach der beruhigten Führung ereignete sich das Drama des Tages. Unser lieber Fotti bleibt einfach sein größter Feind. In einer total gewonnen Stellung versagten unserem Mann die Nerven und Fotti musste den verdienten Punkt leider abgeben. So ein Waterloo hat man selten gesehen und es soll auch nicht näher darauf eingegangen werden. Kopf hoch Fotti, es kann nur besser werden: 2:2

Doch nun zu etwas Erfreulichem. Unser Felix hat sich nach seinem Desaster gegen Erftstadt hervorragend erholt und bot eine überragende Leistung. Nach kluger Verteidigungswahl hatte er nach wenigen Zügen nicht nur Ausgleich, sondern auch nach Einverleibung des weißen e5-Bauern, der in dieser Eröffnung wohl der wichtigste Bauer des Anziehenden ist, großen Vorteil. Immer weiter baute Felix seinen Angriff am Damenflügel auf und wir konnten feststellen, dass der Gegner kein Verteidigungsrezept fand. Nach einem sehr schönen taktischen Finale konnte Felix einfach eine Qualität und Mehrfigur für sich behaupten, sodass der Gegner sich gezwungen sah, nach 25 Zügen das Handtuch zu werfen.

Sehr gut Felix, weiter so: 3:2

Nun zu unsrem Mario. Der werte El P. musste sich mit der Englischen Eröffnung auseinander setzten und wählte ein gutes Verteidigungssystem. Geschick versuchte er den am Damenflügel laufenden Angriff zu unterbinden, wickelte aber im entscheidenden Moment falsch ab. Der Gegner ohne zu zögern opferte einen Turm, welchen er nach wenigen Zügen mit Zinses Zins in Form von Zwei Bauern zurückerobern konnte. Nun war Marios noch mit den schlechteren Leichtfiguren ausgestattete Stellung hoffnungslos. Es gab zwar noch einige gute Verteidigungszüge, aber man kann Mario keinen Vorwurf machen. Schade Mario, aber alles wird gut: 3:3

Meine Güte was für ein Hin und Her und es waren nur noch zwei Partien offen. Auch der sich früh zu uns gesellende Frank konnte diesen Nervenkrimi nicht mehr ertragen, wünschte uns Viel Erfolg und verließ das Schlachtfeld mit einer Vorhersagung, welche sich bewahrheiten würde.

Nun folgte die pure Dramatik des Tages. Unser Bulgarenbomber Veselin an Brett 6 und Feuerqualle Yasser am Königsbrett.

Yasser hatte sich gekonnt auf seinen jungen Gegner eingestellt und früh in die schottische Partie eingelenkt, während sich Veselin mit seiner gehassten "im not amused"-Stellung auseinander zusetzten hatte. Veselin hatte gut verteidigt und nach überstandenem Mittelspiel mit zwei verbunden Freibauern den Vorteil auf seiner Seite, während es bei Yasser drauf und drunter ging. Ein klarer Sieg von Veselin und ein Remis von Yasser hätte die Entscheidung gebracht und wurde von jedem auch so prognostiziert. Aber es geschah alles ganz anders. Veselin wurde informiert, dass er unbedingt gewinnen müsse, da bei Yasser das Remis wohl das wahrscheinlichste wäre und da es an Brett 6 ganz gut für unseren Mann stand, versammelten sich alle Kiebitze an Brett 1. Yasser hatte das erste Remisangebot abgelehnt und stand nun etwas schlechter, aber konnte sich wieder heran kämpfen und bot Remis an. Dies wurde aber abgelehnt. Die Stellung wurde also weiter geknetet. Nach einigen Zügen sah der junge Gegner keine Gewinnpläne bot nach einem Königszug, der eine Qualität einstellte, wiederum Remis. Aber nun schlug die Stunde der Feuerqualle. Höflich mit einem Läuferzug und Schach wurde das Remisangebot abgelehnt und der Turm abgeholt. Nun stand der Jeff wieder leicht auf Gewinn. Aber in seinen nächsten Zügen stellte Jasser 2 Bauern ein und der Vorteil verschob sich wiederum, da der Qualitätsgewinn nicht wirklich durchschlug. Jasser bot nun Remis, da bei Veselin wichtiges passierte. Veselins Gegner hatte die Nerven verloren und opferte seinen Springer gegen die Bauern. Nun hätte unser Mr.100% ganz einfach mit Fesselung des Springers gewinnen können, wickelte aber falsch ab. Dennoch war die Stellung von Veselin mit Mehrspringer gewonnen und keiner zweifelte daran, sodass das Remisangebot von Yasser aus taktischen Gründen nicht angenommen werden konnte. Aber nun spielte Jeff groß auf. Er opferte noch einen Bauern und konnte seine Türme verdoppeln. Mit einem weiteren geschickten Turmmanöver konnte Yasser den Turmabtausch erzwingen und der dadurch entstehende Freibauer war nicht mehr aufzuhalten. Somit hatte Yasser mit viel Geschick und Glück die Partie zum Sieg geführt: 4:3

Nach diesem Punkt dachte jeder, dass wir mit 5 Siegen nach Hause fahren würden. Aber alles kam anders! Veselin verzettelte sich mehr und mehr mit seinem König und konnte keinen Gewinnplan finden. Auf einmal die Katastrophe: Veselin hat seinen Springer eingestellt und sein Gegner stand auf einmal mit einem Mehrbauern auf Gewinn und der Punkteteilung stand nichts mehr weg. Aber dieser, völlig überrascht von der neuen Situation, konnte dies nicht ausnutzen. Veselin, der den Sieg von Jasser nicht registriert hatte, dachte wir hätten nun den Mannschaftskampf verloren und wollte nur noch seine Ehre retten. Nach einigen Schachs und unter Opfer des Turms konnte Veselin in den sicheren Remishafen einschippern und den Sieg sichern. Veselin, recht verblüfft, dass wir dennoch den Sieg davontrugen, freute sich danach umso mehr, dass aus seiner verhunzten Stellung, er es war, welcher das halbe Siegpünktchen hinzusteuern konnte. Was für ein Drama.

Aber dennoch: Mit einem Kilometer oder zwei Zentimeter Vorsprung, Gewonnen ist Gewonnen. Mit dieser hervorragenden Mannschaftsleistung können wir getrost in die Zukunft blicken. Das große Ziel Aufstieg ist ein Stück näher gerückt.

Dank ergeht an unsere fairen Gegner aus Pullheim, welche zu einem spannenden Mannschaftskampf beitrugen und an unseren lieben Frank, der sich nicht zu schade ist, in diesen niederen Schachebenen seine Kameraden aus der Zweiten anzuspornen. Vielen Dank.

Grünfeld
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