Grünfeld II siegt nach dramatischem Kampf mit 5 zu 3 in Euskirchen!
Wow! Was war das spannend! Am vergangenen Sonntag trafen sich unsere 8 Recken pünktlich um 10 Uhr am Vereinsheim, um die weiteste Reise in dieser Saison anzutreten! Wir waren diesmal zu Gast in Euskirchen, dem Tabellenletzten, der jedoch am vorangegangenen Spieltag durch ein Mannschaftsremis gegen die Brühler deutlich gemacht hatte, dass man keineswegs gewillt ist, kampflos das Feld (bzw.die Liga) zu räumen. Daher erwarteten wir im Vorfeld des Kampfes einen harten und spannungsgeladenen Fight. Und wie so häufig, sollten unsere Erwartungen auch diesmal nicht enttäuscht werden. In Euskirchen angekommen, ging es auch schon postwendend an die Bretter, an denen sich im folgenden ein denkwürdiger Mannschaftskampf entwickeln sollte, dessen Dramaturgie ansatzweise wiederzugeben ich mit bestem Gewissen versuchen werde!
Anfangs entwickelte sich alles noch sehr aussichtsreich, denn Rouven schickte sich bereits in der Eröffnungsphase an, seinen Gegner zu überspielen. Begünstigt von dem Umstand, dass jener sympathische Schachfreund tags zuvor seinen Geburtstag gebührend gefeiert hatte (als Grünfelder weiß man, wie undankbar eine Schachpartie am Folgetag sein kann!) , gelang es Rouven sehr zügig, durch einige gefällige Züge, den Sieg davonzutragen. 1-0. Schön für Rouven, der am Vortag mit den schwarzen Steinen fast 6 Stunden an die Wand gedrückt worden war und rein schachkonditionell an diesem Tage doch etwas auf dem Zahnfleisch ging! Kurz darauf gelang es den Euskirchenern an Brett 8 auszugleichen! Foti hatte es mit einem Gegner zu tun, der Satte 1000Dwz-Punkte mehr auf die Wage bringt! Somit war der Ausgang der Partie letzten Endes keine Überraschung! Allerdings sei erwähnt, das Foti trotz alledem beherzt kämpfte und sich nicht scheute, im Duell David gegen Goliath für die Sache des „Kleinen“ zu kämpfen! Hut ab dafür!!! Auch bei Foti scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er seine Fortschritte in Erfolge umzumünzen vermag! Dazu wird er in Zukunft noch reichlich Gelegenheit gegen dankbarere Gegnerschaft bekommen! Somit stand es 1 -1 .
Aber was war denn vorne los? An Brett 2 kämpfte Don Promillo aka der T-Reckz urplötzlich mit einer Puppe weniger! Zunächst war man als Kibitz geneigt zu denken, es handele sich um eine ultra avangardistische Abart des „Meier Gambits“, aber dem war leider nicht so! Hmmm,……….was nun? Urplötzlich ging schon wieder die Rechnerei los: „Was machen wir, wenn der Toby nicht gewinnt? Wo holen wir denn die Punkte?“ Eine uns eigene Form von Milchmädchenrechnung, die uns von Mannschaftskampf zu Mannschaftskampf verfolgt! Nun ja, mit dem Wissen darum, dass da immer noch der Meier sitzt- der „König der Pfuscher“ hatte zumindest Rouven dieses Brett noch nicht genullt, und ermahnte seine Mannschaftskollegen zur Besonnenheit! Einer war am diesen Tage besonders motiviert! Die Rede ist vom Präsi Mario! Klar, in Amt und Würde befindend betrachtete er mit Sorge das Geschehen an den restlichen Brettern und beteiligte sich mit Enthusiasmus an den Rechenspielen! Sollte der Traum vom Aufstieg heute ein für alle mal ausgeträumt sein!? Nein!!! Denn just in diesem Moment nahm der Präsi das Schicksal seiner Mannschaft selbst in die Hand! Mit einem guten Zeitpolster gesegnet versank Mario in einer komplexen Stellung mit mehreren verlockenden (aber auch riskanten) Fortsetzungen für gut 45 Minuten in seine Stellung und packte die seriöseste (im Sinne des Erfolges) Fortsetzung aus! So gelang es ihm, eine vorteilhafte Stellung zu erreichen, die er im folgenden zum wichtigen 2-1 für uns auszubauen vermochte! Zwar hätte sein Gegner sich das Realisieren des Vorteils noch etwas länger ansehen können, aber dessen Versäumnis schmälert in keiner Weise die hervorragende Leistung von Mario an diesem Tag! 2-1 also und zumindest das 4-4 wieder in Sichtweite!
An Brett 1 entwickelte sich bei Daniil - wie immer- ein spannender, zäher Kampf! Seinem Gegner gelang es, auf Kosten fast seiner kompletten Bedenkzeit eine sehr interessante und auch unklare Stellung herbeizuführen, bei der dem Kibitz-Laien beim besten Willen nicht klar war, wer da am Ende die Nase vorn haben sollte!? Als die Bedenkzeit des Gegners auf knappe 2 Minuten runtergelaufen war, kam, was kommen musste! Unter dem Druck der tickenden Uhr fand er in komplizierter Stellung nicht den besten Zug und unser Daniil konnte den daraus resultierenden materiellen Vorteil zum 3-1 verwerten! Sehr wichtig für die Mannschaft zu diesem Zeitpunkt, da mit Ausnahme von Brett 4, die Aussichten eher bescheiden waren- eine Bewertung, die sich in den folgenden 1,5 Stunden jedoch mehrmals als revidierungswürdig beweisen sollte!
Fangen wir mit Yasser an! Seine Partie möchte ich als die spannendste des Tages bezeichnen! In sizilianischen Gefilden spielten sein Gegner und er immer wieder überraschende Züge, die aber dermaßen verkomplizierten, das beide Akteure Probleme hatten, der Lage Herr zu werden! Wahrlich ein Traum für Freunde vom „Richterschach“! Und wie die Postanalyse, sowohl mit seinem sympathischen Gegner, als auch im Vereinheim zeigte, haben wohl beide Seiten einige „Kandidatenzüge“ leider nicht gefunden, was zur Folge hatte, dass Yasser nach nervenaufreibendem Kampf sich letzten Endes leider geschlagen geben musste! Sehr schade, zumal er selbstlos an diesem Wochenende, einen für ihn sehr wichtigen Termin, zu Gunsten seiner Mannschaft zurückgestellt hatte! Das ist Einsatz! Auch dem Fußballgott war dies an jenem Sonntag nicht entgangen!
Ok, somit 3-2 und nun „zu den Sachen selbst“! Veselin, der momentan mit weitaus wichtigeren Dingen als Schach beschäftigt ist, spielte wie eh und je mit den schwarzen Steinen voll auf Sieg! Ob und wie sein Spiel konkret zu widerlegen war, ist mir nicht bekannt, aber im Stile einer bulgarischen „Löwin“ schickte er sich an, die Stellung des Gegners auszuhebeln! Gekrönt wurde dieses Bemühen durch das erscheinen einer 2. Dame (insg.3 auf dem Brett!). Danach führte er die Stellung souverän zum Sieg! Gratulation an Veselin, dem wir für die Fertigstellung seines „Opus Magnum“ in den nächsten Wochen fest die Daumen drücken! Somit 4-2.
Verblieben also noch zwei Bretter! Der Toby an 2, der gezielt und gekonnt nach bestem Gewissen allen Vereinfachungen aus dem Wege ging und seinem Gegner das Leben so schwer wie möglich zu machen versuchte! Und an Brett 6 kämpfte Mathieu wie immer verbissen, wohl mit der Vorahnung, dass auch bei diesem Wettkampf er das Zöglein an der Wage werden sollte! Nach einer Ungenauigkeit im Mittelspiel dachte man bereits, Mathieus Gegner könnte das Ruder an sich reißen und entscheidenden Materialvorteil erlangen! Allerdings entschied sich dieser für eine Fortsetzung, die den Außenstehenden erstmal die Kinnladen runterholte…… Vermutlich hatte sein Gegner ein Matt erspäht, was sich jedoch nicht bewahrheiten sollte und „Matt-ieu“ temporär 2 Mehrfiguren bescherte! Allerdings wurde er dazu gezwungen, um Matt zu verhindern, seine Dame gegen des Gegners Turm zurückzugeben! Es entstand eine sehr interessante Stellung mit ungleicher Materialverteilung, in der Mathieu mit Turm/Läufer/Springer, sowie h und g Bauern gegen Dame mit h-,g-,f- und dem entfernten a-Bauern zu kämpfen hatte. Die Koordination seiner Figuren erwies sich dabei als äußerst gestört. Das war wirklich keine angenehme Aufgabe, die da auf Mathieu wartete! Allerdings zeigte auch er an diesem Tag, warum er eine wichtige Stütze unseres Teams ist! Den richtigen Remisweg erspäht, opferte er zielstrebig seinen Springer gegen den gegnerischen a-Bauern und baute seine Festung mit Läufer und Turm auf! Im Stile eines „Dworetski-Schülers“ demonstrierte er dann die Aussichtslosigkeit der weißen Sache und klammerte studienartig den Siegbringenden halben Punkt! Großes Kino!!! Als diese Großtat vollbracht war, und der Sieg uns unabnehmbar war, hatte auch Tobys Gegner keine Ambitionen mehr, seine Gewinnversuche auf Kosten des schönen Nachmittags fort zu setzten und gab die Partie remis, obgleich er natürlich weiterhin am Drücker war! Sehr fair von ihm! Aber explizit noch mal das Lob an Toby, der wahrlich Teamgeist an den Tag legte und seinem Gegner die Dinge nicht einfach gemacht hatte! Somit endet der Wettkampf zwischen Euskirchen 3 und Grünfeld 2 mit 3-5 für Grünfeld!
Wie fast schon obligatorisch in dieser Saison und an dieser Stelle gilt unser Dank den sympathischen Gegnern aus Euskirchen, die uns als eine durch und durch sympathische Truppe und als ein freundlicher Gastgeber in Erinnerung bleiben werden und denen wir für den Schlussspurt der Saison und darüber hinaus alles Gute wünschen! Beim nächsten Mal freuen wir uns, vom Heimkampf gegen die Porzer berichten zu dürfen! Ein sehr unangenehmer Gegner, auf dessen Gastspiel wir uns aber dennoch sehr freuen, da es auch zum Wiedersehen einiger uns nicht unbekannter Schachfreunde kommen sollte. Dieses Ereignis wird Anfang April über die Bühne gehen! Bis dahin gilt es für uns und unsere „Fans“ Besonnenheit walten zu lassen! Denn, obgleich die Vorzeichen gut zu sein scheinen, ist doch noch nichts erreicht! Mit dem Wissen darum und der Weisheit, dass „das nächste Spiel das schwerste ist“ endet dieser Bericht in der Hoffnung, dass es zu gegebener Zeit wieder ähnlich positive Neuigkeiten zu vermelden gibt! Bis dahin wünschen wir allen Schachfreunden interessante Partie und eine gute Zeit!
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